Wissen
Wie wählt man eine GEO-Agentur?
GEO ist ein junger Markt mit vielen Versprechen. Welche Kriterien tragen, welche Warnsignale es gibt und welche Fragen ins Erstgespräch gehören.
Elvis Fatjani · CEO und Inhaber · Stand 27. August 2026
Eine GEO-Agentur wählt man an drei Dingen: Sie kann erklären, wie sie misst, sie zeigt die Arbeit am Text statt an einer Datei, und sie sagt, was sie nicht beeinflussen kann. Wer Platzierungen in KI-Antworten garantiert, verkauft etwas, das sich nicht kaufen lässt. Wer GEO auf eine llms.txt reduziert, verkauft eine Datei, die ohne die Textarbeit nichts bewirkt.
GEO ist ein junger Markt. Das heisst: wenig Erfahrung auf beiden Seiten, kaum belastbare Fallzahlen und viele Angebote, die aus einem bestehenden SEO-Paket mit neuem Namen bestehen.
Für Auftraggeber ist das unangenehm, weil die üblichen Prüfmittel fehlen. Es gibt keine Rankings, die man nachschlagen kann, und die meisten Referenzen sind zu jung, um etwas zu belegen. Was bleibt, sind Kriterien an der Arbeitsweise.
Ein Teil der Angebote stammt von Agenturen, die seit Jahren Suchmaschinenoptimierung machen und ihr Leistungsverzeichnis erweitert haben. Das ist kein Nachteil — die technische Grundlage ist dieselbe. Entscheidend ist, ob die Textarbeit und eine eigene Messung dazugekommen sind oder nur ein Kapitel im Angebot.
Kriterium 1: Kann sie erklären, wie sie misst?
Antwortsysteme liefern keine Statistik. Wer GEO anbietet, muss also einen eigenen Weg haben, Wirkung festzustellen — und ihn erklären können, bevor der Auftrag beginnt.
Ein tragfähiger Ansatz besteht aus einem festen Satz Fragen, die echte Kundschaft so stellen würde, regelmässig an mehrere Systeme gestellt, mit festgehaltenen Antworten und genannten Quellen. Daraus entstehen Mention Rate, Citation Rate und Share of Voice. Wer stattdessen einzelne Screenshots als Beleg zeigt, misst nicht — er sammelt Zufälle, denn Sprachmodelle schwanken und ein Modellwechsel verschiebt Ergebnisse ohne jede Änderung an der Website.
Kriterium 2: Wo liegt die Arbeit?
Der grösste Teil der Wirkung entsteht im Text und in den Stammdaten: eine Seite je Leistung, ein Definitionsabsatz, der herausgeschnitten stimmt, Fragen als eigenständige Antworten, und Firmenangaben, die über Website, Handelsregister und Verzeichnisse hinweg zusammenpassen.
Ein Angebot, dessen Leistungsverzeichnis vor allem technische Artefakte nennt — eine Datei anlegen, Markup ergänzen, ein Tool anbinden —, beschreibt die Voraussetzungen, nicht die Arbeit. Beides ist nötig; wenn aber nur das Erste im Angebot steht, fehlt der Teil, der wirkt.
Kriterium 3: Sagt sie, was nicht geht?
Platzierungen in Antworten lassen sich nicht kaufen. Es gibt kein Anzeigenformat, keine Einreichung und keine Garantie. Eine Agentur, die das offen sagt, arbeitet mit einer realistischen Erwartung; eine, die es nicht sagt, wird die Erwartung später enttäuschen.
Ebenso gehört dazu, dass Ergebnisse schwanken und dass ein Teil der Veränderungen nicht auf die eigene Arbeit zurückgeht. Wer jede Verbesserung für sich verbucht, wird jede Verschlechterung erklären müssen.
Warnsignale
Garantierte Nennungen in ChatGPT oder AI Overviews. Feste Preise für „Platz 1 in KI-Antworten“. Angebote, die GEO als reines Datei- oder Markup-Paket beschreiben. Berichte, die aus Screenshots einzelner Antworten bestehen. Und Verträge mit langer Mindestlaufzeit, bevor überhaupt eine Messung existiert.
Ein weiteres Signal ist die eigene Website der Agentur. Wer Zitierfähigkeit verkauft und selbst Seiten hat, auf denen jede Leistung in einer Aufzählung steht, hat die eigene Methode nicht angewendet.
Fragen fürs Erstgespräch
Wie messen Sie, ob es wirkt — und wie sieht der erste Bericht aus? Welche Fragen würden Sie für uns festlegen und warum genau diese? Was auf unserer Website müsste sich ändern, bevor Technik überhaupt etwas bringt? Was können Sie nicht beeinflussen? Und: Was passiert, wenn nach drei Monaten nichts messbar ist?
Die letzte Frage ist die aufschlussreichste. Eine brauchbare Antwort benennt, woran man das erkennen würde und welche Konsequenz daraus folgt — nicht, dass es länger dauert.
Wie ein brauchbares Angebot aussieht
Es beginnt mit einer Bestandsaufnahme statt mit einem Paket. Was steht heute an Angaben im Netz, welche Seiten gibt es je Leistung, wie ist der technische Zugang für die Crawler der Antwortsysteme geregelt.
Es benennt die Fragen, die geprüft werden sollen, und begründet sie. Fünfzehn bis dreissig Fragen, wie echte Kundschaft sie stellen würde — nicht die eigenen Suchbegriffe, sondern die Formulierungen von jemandem, der die Leistung noch nicht kennt.
Und es hat einen ersten Bericht, der vor der Arbeit entsteht. Ohne einen Ausgangswert ist jede spätere Zahl eine Behauptung; mit ihm lässt sich nach drei Monaten sagen, was passiert ist — auch wenn die Antwort lautet: nichts.
Was ein realistischer Zeitrahmen ist
Die ersten Wochen sind Bestandsaufnahme und Textarbeit, ohne sichtbares Ergebnis. Das ist kein schlechtes Zeichen, sondern die Reihenfolge: Ohne eindeutige Inhalte hat jede spätere Messung nichts zu messen.
Ein erster Vergleichswert entsteht nach zwei bis drei Monaten regelmässiger Erhebung. Wer früher eine Verbesserung meldet, meldet Schwankung — Sprachmodelle liefern auf dieselbe Frage nicht dieselbe Antwort.
Eine Mindestlaufzeit von zwölf Monaten vor dem ersten Zwischenbericht ist deshalb kein Ausdruck von Gründlichkeit, sondern ein Vertragsdetail zugunsten des Anbieters.
Ein Beispiel
Ein mittelständischer Zulieferer holt drei Angebote ein. Zwei bestehen aus einem Paket mit fester Laufzeit, einer llms.txt, Schema-Markup und einem monatlichen Bericht mit Screenshots. Das dritte beginnt mit zwei Wochen Bestandsaufnahme, benennt fünfzehn Fragen, die geprüft werden sollen, und sagt ausdrücklich, dass die ersten Monate vor allem Textarbeit sind.
Das dritte Angebot ist das unattraktivere — es verspricht weniger und beginnt langsamer. Es ist auch das einzige, bei dem nach drei Monaten feststellbar wäre, ob etwas passiert ist.
Was das für die Entscheidung heisst
In einem jungen Markt ohne belastbare Referenzen entscheidet die Arbeitsweise. Wer messen kann, am Text arbeitet und die eigenen Grenzen benennt, ist die sicherere Wahl als ein Angebot mit einer Garantie, die niemand einlösen kann.
Wer keine Zeit für einen ausführlichen Vergleich hat, prüft eine einzige Sache: ob im Angebot steht, wie gemessen wird. Alles Weitere lässt sich daran aufhängen — und ein Angebot ohne diesen Punkt beantwortet die Frage bereits.
Weiterlesen
Wer zuerst verstehen will, worum es überhaupt geht: Was ist GEO?. Die allgemeinere Fassung dieser Frage steht in Wie wählt man eine Digitalagentur aus?.
Wie Hesq diese Arbeit macht und wie gemessen wird, steht unter GEO.